Ute bloggt: Die Jeansjacke und die Fantasie

Heute gibt es schon einmal einen Blick sozusagen durchs Schlüsselloch auf das aktuelle Projekt.

Vorab als Zwischenergebnis festhalten kann ich bereits: Sticken macht auch glücklich! Es ist sogar super, viel besser als ich dachte, und man wird fast süchtig danach…
Und das geht so:

Eigentlich nähe ich unter der Woche nach Feierabend so gut wie nie. Da ich meistens erst relativ spät nach Hause komme, bleibt nach der allernotwendigsten Hausarbeit beim besten Willen kaum noch Energie für konzentriertes Arbeiten an der Nähmaschine.Aber beim Sticken mit der Nähmaschine ist das überraschenderweise völlig anders. Die Arbeit übernimmt die Maschine nämlich ganz alleine, man muss selber gar nichts tun. Der Genussteil hingegen, nämlich Motive und Farben auszuwählen, ist genau das Richtige, um nach einem anstrengenden Tag abzutauchen in das schönste Hobby der Welt. So ist für die geplante Jeansjacke im Laufe einer Arbeitswoche einiges an Stickereien zusammengekommen. Irgendwie wollte ich die Jeansjacke interessanter gestalten als nur plain vanilla, aber andererseits auch wieder nicht so wild wie bei eingefleischten Fußball-Fans oder Motorrad-Bräuten mit aufgenähten Abzeichen, Rocker Nägeln und Totenköpfen.

Aber der Reihe nach: Nachdem Frau Borgert den Schnitt für die Jeansjacke fertig gestellt hatte, hatte ich mir überlegt, auf welchen Teilen eine Stickerei wohl am besten passen würde. Die beiden vorderen Passen waren rasch ausgewählt. Diese Stoffteile habe ich zunächst großzügig und nur umrissartig zugeschnitten.

Die Idee war, zuerst das Motiv zu sticken und erst danach das fertige Teil zuzuschneiden, um die Motive ideal auf den Stoffteilen zu positionieren und so ein gutes Ergebnis zu erzielen. Der erste Anlauf war der Elefant, ein Muster, das in der Janome 14.000 bereits mitgeliefert wird. Ich fand ihn schön, natürlich indisch angehaucht, ein unkomplizierter Hingucker eben.

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Bei der zweiten Passe wurde die Wahl des Motivs dann schon schwieriger. Ich hatte mich für ein (extern zugekauftes) Muster aus der Kollektion entschieden, die ich bereits bei der Jeanstasche verwendet hatte. Dieses fertig gestickte Muster wurde zwar wunderschön, aber leider gefiel es mir nicht für die vordere Passe. Die Teenage-Tochter meines Mannes empfahl mir einen zweiten Elefanten mit anderen Farben, und der Laufrichtung so, dass beide aufeinander zugehen würden. Das fand ich eine sehr gute Idee. Mit der Funktion „Spiegeln“ in der Maschine war die Umsetzung auch kein Problem.

Danach entschied ich mich für das Motiv auf dem Rückenteil (ebenfalls von extern). Es sollte das aufwendigste werden, mit einer Stickzahl von 30.000 und einer reinen Stickzeit von 90 Minuten. Die Janome steckte diese Belastung übrigens locker weg, surrte gleichmäßig und leise vor sich hin, lief nicht heiß und schwächelte auch sonst nicht.

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Auch diese Stickerei ist für mein Empfinden wunderschön geworden und fasziniert durch die unglaubliche Präzision im Stichbild und in den einzelnen Farbwechseln.

Zu dem Motiv auf dem Rücken gefielen mir dann aber die beiden Elefanten vorne überhaupt nicht mehr. Ich fand sie plötzlich irgendwie naiv und viel zu wenig raffiniert. Die Stickereien auf der Jacke sollen insgesamt doch ein bisschen an geheimnisvolle Körpermalerei oder Tattoos erinnern und die Fantasie anregen. Einen Elefanten wird sich wohl kaum einer freiwillig tätowieren lassen. Also fertigte ich nochmal zwei neue Passen an, wofür die Entscheidungen betreffend Stickmotiv momentan noch ausstehen.

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Noch ein Gedanke zum Sticken selbst:

Natürlich könnte man etwas anderes machen, während die Maschine vor sich hin stickt. Aber für mich ist das fast kindliche Beobachten, wie die Nadel ihre Linien zieht, Fäden abschneidet, Farben wechselt usw., viel spannender als jeder Film. Zumindest gilt dies für mich als Anfängerin. Eines fernen Tages, mit mehr Routine im Sticken, mag ein kontrollierender Blick, ob die Maschine richtig gestartet ist, und dann vielleicht noch bei den einzelnen Farbwechseln, genügen. So aber kommt die Freude dreifach ins Haus: die Kreativität bei der Auswahl von Motiven und Farben, das Zuschauen, wenn die Maschine für einen arbeitet, und schließlich das fertige Teil !

Auf den Bildern könnt Ihr die einzelnen Teile sehen.

Beim nächsten Mal sollte die Jacke dann fertig sein.

Bis dahin liebe Grüße

Ute

 

An der Diskussion teilnehmen 2 Kommentare

  • Christy sagt:

    Die Stickereien sehen echt supertoll aus! Auf dem dunklen Jeansstoff kommen die Farben richtig leuchtend raus. Die Jacke wird bestimmt ein Prachtstück, ich bin gespannt auf die nächsten Bilder. 🙂

    Grüßle
    Christy

    PS: das mit der Faszination beim Zuschauen kenne ich – ich bin auch so eine, die gebannt vor der Maschine sitzt, wenn sie ein neues Motiv stickt…

    • Maria sagt:

      Das mit der Faszination kenn ich auch. Ich sticke zwar nicht selbst, aber ein Freund von mir hat eine ziemlich große Stickmaschine. Das ist immer so faszinierend, wenn ich mal zuschauen darf. Ich hab mir ja auch schon einige Handtücher und Shirts von ihm sticken lassen. Zum Beispiel ein weißes Handtuch mit einem Comic-Zebra drauf. Sieht einfach nur klasse aus.

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